Erziehung oder Formung ?

Was ist Erziehung eigentlich?
Wenn man sich verschiedene Definitionen von Erziehung anschaut, so findet man immer wieder die beschriebene Tatsache vor, dass Erziehung die absichtlich herbeigeführte Verhaltensänderung bei Kindern ist, die von Erziehenden initiiert und auf ein Ziel ausgerichtet ist. (vgl. Schraub & Zenke, 2000, S. 277)
Der Erziehende möchte, ob bewusst oder unbewusst, das Verhalten des zu Erziehenden ändern, ihm helfen seine Persönlichkeit aufzubauen oder sie selbst mitgestalten und ihn an die Gesellschaft anpassen ( was in pädagogischen Kreisen oft Sozialisation genannt wird).

Bewusst provokant möchte ich auf die Frage aufmerksam machen, warum Erziehung heute zu großen Teilen daraus besteht ein Individuum an eine Gesellschaft anzupassen und es somit zur Gesellschaftsfähigkeit zu verändern ?
Warum wird Kindern in der Schule beigebracht was sie zu denken haben und nicht wie denken überhaupt funktioniert und was denken eigentlich ist? Sie lernen die Emotionen kennen aber nicht den Umgang damit und schon gar nicht, dass man ihnen nicht schutzlos ausgeliefert ist, sobald man ihre Flüchtigkeit versteht und in einen Austausch mit ihnen kommen kann.

Kinder sollen auf das „Leben“ vorbereitet werden, aber was ist dieses Leben überhaupt ? Besteht das Leben darin sich in die Gesellschaft einzufügen in der man geboren ist ?
Anstatt den Fokus darauf zu legen wie sich ein Elternteil durch das Kind präsentieren kann und welche Fähigkeiten es einmal zu besitzen hat, sollte dem Kind nicht vor allem Liebe und Aufmerksamkeit geschenkt werden?
Kann man ihm nicht einen Rahmen bieten, in dem es einfach nur sein kann und nicht ein bestimmtes Verhalten zeigen muss um eine anerkannte Daseinsberechtigung zu erhalten?
Natürlich braucht das Kind Wissen darüber wie man in einer Gesellschaft lebensfähig ist, aber sollte man dieses Ziel wirklich priorisieren und dem kleinen Menschen als Lebensziel aufbürden ?

„Wir brauchen unsere Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach.“
Karl Valentin.

Kinder orientieren sich an Vorbildern und Gesagtes ist nicht so prägend wie das vorgelebte Verhalten.
Folglich würde eine Erziehung zum Wohle des Kindes bei der Auseinandersetzung des Elternteils mit sich selbst beginnen, um sich so über eigene Muster klar zu werden und dem Kind die Möglichkeit zu bieten diese Muster nicht unbewusst zu übernehmen.
Es ist von sich aus vollkommen wie jeder andere Mensch bzw dessen Essenz auch. Selbst wenn es auf diesem Planeten einiges zu lernen und entdecken gibt, denn das ist definitiv der Fall,  so wird es einem neugeborenen oder jungen Menschen doch sehr helfen sich für sein einfaches sein geschätzt zu fühlen.

Schenken wir dem Wunder des Lebens also wieder mehr Beachtung als den Systemen und Ideen die erdacht wurden.
Denn jeder Samen wird auf seine Art und Weise wundervoll und wichtig erblühen, sofern er auch gegossen und umsorgt wird.

 

 

 

 

 

 

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2018). Stichwort: ‚Erziehung‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: http://lexikon.stangl.eu/1410/erziehung/ (2018-10-19)

Bild: http://www.pixabay.com

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