Wo kann ich wirken ?

An welchen Punkten verbinden sich Philosophie und Spiritualität? Auf welche Dinge kann ich Einfluss nehmen und welche nicht ? Dieses möchte ich mit den Worten eines stoischen Philosophen, namentlich Epiktet, welcher von  ca. 50.n.Chr-135.n.Chr lebte untersuchen und beleuchten.
Oft halten wir äußere Gegebenheiten für die Auslöser unserer gedanklichen und emotionalen Zustände. Diese Ansicht nähme uns allerdings jegliche Möglichkeit selbst hierbei wirksam zu werden und würde eine Abhängigkeit von äußeren Umständen schaffen. Ferner ließe sich dies so betrachten, das nicht die äußeren Reize als Auslöser gesehen werden, sondern unsere Reaktion darauf, also die gedankliche Interpretation und das reagieren mit Gefühlen als Antwort auf etwas.
Hier sind Sensibilität und Achtsamkeit für das Wahrnehmen der Gefühle und Gedanken gefragt, welche uns eine Distanz und Lösung von der Identifikation verschaffen.

„Über das eine gebieten wir, über das andere nicht. Wir gebieten über unser Begreifen, unsern Antrieb zum Handeln, unser Begehren und Meiden, und, mit einem Wort, über alles, was von uns ausgeht; nicht gebieten wir über unsern Körper, unsern Besitz, unser Ansehen, unsere Machtstellung, und, mit einem Wort, über alles, was nicht von uns ausgeht“ (Epiktet 50 n. Chr. – 135 n. Chr.).

Wir gebieten also nicht darüber wenn jemand uns beleidigt, das Wetter „schlecht“ ist und der Tag vielleicht mal nicht so läuft, wie er laufen sollte. Trotz dessen gebieten wir darüber, wie wir darauf reagieren und ob wir uns an die Suche für eine Lösung begeben oder in Selbstmitleid versinken. Wichtig wäre also achtsam zu reflektieren, ob die Dinge welche ich ablehne sich wirklich durch diese Ablehnung ändern lassen, oder diese Ablehnung nur mir Kummer bereitet.

„Denk also daran: Wenn du das von Natur aus Abhängige für frei hältst und das Fremde für dein eigen, so wird man deine Pläne durchkreuzen und du wirst klagen, die Fassung verlieren und mit Gott und der Welt hadern; hältst du aber nur das für dein Eigentum, was wirklich dir gehört, das Fremde hingegen, wie es tatsächlich ist, für fremd, dann wird niemand je dich nötigen, niemand dich hindern, du wirst niemanden schelten, niemandem die Schuld geben, nie etwas wider Willen tun, du wirst keinen Feind haben, niemand wird dir schaden, denn du kannst überhaupt keinen Schaden erleiden“ (Epiktet 50 n. Chr. – 135 n. Chr.).

Somit sollen wir uns also stets daran erinnern, in welchen Gebieten wir Einfluss nehmen können und wo nicht. Manche Gegebenheiten sollten wir auch als diese betrachten, eben als Gegebenes, welches wir nicht ändern können, daran aber nicht verzweifeln sondern unsere Ruhe damit finden. Insofern wirst du auch nie jemanden Tadeln, da du deine ärgerliche Reaktion als deine Schöpfung und nicht die des anderen erkennst.
Keine Schaden kannst du erleiden. Dies ist nicht auf die Physis bezogen, denn um körperlichen Schmerz geht es hier nicht. Damit ist das Leiden gemeint welches sich einstellt, wenn der jetzige Augenblick abgelehnt wird. Auch das „Jetzt“, also der Moment in dem du dich befindest mit all seinen Inhalten kann als etwas gesehen werden, was wir nicht ändern können, denn es ist bereits.
Allerdings können wir entscheiden ob wir den Moment annehmen oder ablehnen wollen, uns ihm hingeben oder gegen ihn kämpfen wollen. Die Entscheidung können wir allerdings nur treffen, wenn wir achtsam sind und dies bewusst tun.
Folglich würde die Lebenskunst darin bestehen, seine Energie auf die Dinge zu richten, über die wir gebieten. Laut Epiktet wird uns dies zu innerer Ruhe und Ausgeglichenheit führen.

Quelle: Epiktet, (Hrsg.) Steinmann, Kurt (1992): Handbüchlein der Moral. Stuttgart, Reclam.

 

 

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