Auf dem Weg zur Seelenruhe ( Teil 1)

Wie kann die Seele in einem aufregenden Alltag und chaotischen Leben Ruhe finden? Welche Ideen gibt es um trotz widriger Umstände in sich zu Ruhen?
Der römische Philosoph Seneca (4-65 n. Chr.) liefert hierzu wunderbare Anregungen, welche sehr praktisch angewendet und zur philosophischen Reflexion des eigenen Lebens genutzt werden können.

Auf unsere heutige Zeit übertragen, ergeben sich aus meiner Perspektive folgende Ideen:

1. Die Kluft zwischen Vision und Handlung
Du hast bestimmt viele gute Ideen und Träume über die du manchmal sinnierst, sie aber nicht in die Tat umsetzt. Welche Gründe auch immer dagegen sprechen mögen, in vielen Fällen ist nur der fehlende Mut ausschlaggebend.
Wenn du nun auf die Zukunft schaust und etwas erreichen oder umsetzen möchtest, im gegenwärtigen Moment aber nichts dafür tust deine Zukunft zu gestalten, dann kann innere Unruhe entstehen.
Ein Gefühl der Rastlosigkeit, des „nicht gut genug seins“.
Möchtest du im Alter auf dein Leben Blicken und eine Geschichte einer Begebenheit vorfinden oder dich fragen, wie es wohl gelaufen wäre wenn du den Mut gehabt hättest?
Gehe in den kommenden 48 Stunden den nächsten Schritt in Richtung deiner Träume und sei es nur jemanden davon zu erzählen oder zu planen.

2. Flucht vor sich selbst
Egal welche Reise du antreten wirst und in welche Sinnenfreude du dich stürzt, du wirst dich immer begleiten und niemals vor dir selbst fliehen können.
Ob der vorherige Satz für dich bedrohlich oder schön wirkt, ist möglicherweise ein Hinweis darauf wie sehr du dich selbst annehmen kannst.
Damit soll nicht gesagt sein das Reisen oder Sinnesfreude per se schlecht sind,
nur wirst du auch in einem anderen Land mit dem Menschen konfrontiert sein der dich immer begleitet, mit dir.
Wenn der Rausch abklingt und die Ernüchterung einsetzt, ist auch wieder alles wie vorher.
Begibst du dich auf eine innere Reise zu „dir selbst“, wirst du womöglich überrascht sein wer dir am Ende begegnet.
Somit ist es egal an welchem Ort du dich befindest, der Ursprung innerer Ruhe und Zufriedenheit wird sich nur in dir finden lassen.

3. Was kannst du der Welt schenken?
Du hast das wunderbare Geschenk des Lebens erhalten und wie könnte die Dankbarkeit dafür besser ausgedrückt werden, als dem Leben, den Menschen oder der Natur etwas zurückzugeben?
Nutze deine Stärken, deine Fähigkeiten und dein Engagement um etwas Gutes für andere zu tun. Allerdings kannst du ganz individuell deinen Beitrag leisten.
Nehmen wir die Schule als Beispiel, nicht das derzeitige System, aber die Institution und ihr Gedanke an sich. Wer leistet hier seinen Beitrag an der Bildung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen?
Lehrer, Reinigungskräfte, Küchenpersonal (Cafeteria), Personal der Instandhaltung, Ingenieure und Handwerker die für die Herstellung der Gebäude und Einrichtung zuständig sind.
Es wären noch viele mehr zu nennen und alle sind wichtig für das Funktionieren des Prozesses.
Jeder Mensch kann also mit seinen eigenen Fähigkeiten etwas zum Allgemeinwohl beitragen.

4. Sei offen für neue Möglichkeiten
Manchmal schließt sich in einem Bereich des Lebens eine Tür und dies kann unter Umständen schmerzhaft sein. Noch schmerzhafter wird es aber, wenn das Starren auf die verschlossene Tür dich für alle weiteren und offenen Türen Blind werden lässt.
Wie oft ist es dir passiert, dass dir schreckliches widerfahren ist? Nach einigen Jahren schaust du jedoch zurück und plötzlich stellst du fest, dass du gestärkt aus dieser Situation hervorgekommen bist. Ein Abschluss kann immer auch ein neuer Anfang sein, sofern es zugelassen wird.
Die Vergangenheit kann sehr nützlich sein wenn sie nicht als Belastung angesehen wird, sondern genutzt wird um aus Erfahrungen zu lernen.

5. Du machst den Unterschied
Eine einzelne Person kann immer einen Unterschied machen, somit auch du!
Martin Luther King Jr., Gandhi, Einstein, Mutter Theresa und alle Menschen die große Einwirkung auf den Lauf der Geschichte hatten, bzw. sich für das Wohl der Menschen eingesetzt haben, waren an die Tageszeit von 24 Stunden gebunden, genau wie du.
Vielleicht möchtest auch du es zum Anlass nehmen und dich für die Dinge einsetzen die dir wirklich wichtig sind.
„Es macht doch keinen Unterschied wenn nicht viele mitmachen.“
Doch macht es !!!!
Jeder Einsatz zählt und ist wichtig. Wie wäre es, wenn sich Gandhi von Angst oder Zweifeln hätte abhalten lassen für den Frieden einzustehen?
Darum lass auch du dich nicht von Sorgen und Zweifeln aufhalten bei der Verwirklichung deiner Träume, denn genau dieser Einsatz einzelner Menschen macht einen Unterschied.

6. Richte dich nach deinen Stärken aus
Was sind deine Stärken und Vorlieben?
Im Hinblick auf diese Frage, solltest du die weiteren Fragen prüfen.

1.Was tue ich? (Beruflich oder Schulisch)
2.Womit arbeite oder befasse ich mich?
3.Mit wem arbeite oder lerne ich zusammen?
Nimm dir einige Zeit um zu prüfen ob die Antworten auf diese Fragen mit deinen Stärken und Vorlieben übereinstimmen.
Die Bereiche der Berufe und Möglichkeiten sich auszuleben werden immer komplexer.
Umso wichtiger ist es, etwas für dich zu wählen das dir gut tut und worin du gut bist.
Damit ist nicht gemeint das nichts mehr gelernt werden und nur auf „Naturtalent“ vertraut werden soll, sondern etwas zu finden das in der Tiefe zu dir passt.

7. Überprüfe dein Umfeld
Erfüllen dich deine Freundschaften und Beziehungen?
Kannst du dich in deinen Beziehungen offen zeigen und ehrlich sein?
Erfüllt dich die Nähe zu diesen Menschen?
Fühlst du dich nach dem Zusammensein mit diesen Menschen aufgeladen oder ausgesaugt?
Sind sie dir gegenüber wohlwollend oder neidisch?
Beklagen sie nur ihr Leid oder interessieren sie sich auch für deine Befindlichkeit?

Natürlich hat jeder mal eine schwierige Zeit, aber kurzfristige Verstimmungen sind hiermit nicht gemeint.
Diese Fragen sollen dazu dienen deine Beziehungen auf ihre Tiefe zu überprüfen und zumindest aufmerksam zu werden, sollte sich herausstellen das eine Beziehung nicht gut für dich ist.
Diese Fragen können auch genutzt werden um eine Beziehung besser zu verstehen und zu vertiefen. Sie können auch zur gemeinsamen Reflexion genutzt werden.

8. Weniger ist manchmal mehr
Je mehr Besitz du hast, desto mehr kannst du verlieren. Überprüfe deinen Besitz auf Notwendigkeit, Nützlichkeit und in wie fern diese Dinge zu deinem Wohlergehen beitragen.
Sicherheiten erzeugen oft Bindung und dies kann wiederum Einbußen im Bereich der Flexibilität zur Folge haben.
Wenn du dein Hab und Gut betrachtest, was davon brauchst du wirklich?
Was ist Lebensnotwendig?
Auch hier geht es wiederum nicht um das Ausleben eines Extrems und die Ablehnung von jeglichem Besitz.
Es geht um das Schaffen von Bewusstsein für den Umgang mit materiellem Besitz.
Wie sehr haftest du an deinen Gegenständen? Bestimmst du über deinen Besitz oder bestimmt dieser über dein Leben?

9. Mäßigung und Genügsamkeit
Dies sind Tugenden, welche besonders in äußerlich geprägten Gesellschaften selten zu finden sind.
Sei zufrieden mit dem was du hast und du wirst reich sein.
„…zumal die Abhilfe doch so nahe liegt und die Armut sich in Reichtum umwandeln kann, wenn man nur die Genügsamkeit zu Hilfe zieht.“ (Apelt, 2010)
Der äußere Reichtum scheint also nicht ausschlaggebend für das Gefühl des Reichtums zu sein, viel mehr entscheiden die Genügsamkeit und die Dankbarkeit für das, was bereits vorhanden ist.
Den Magen beim Essen nur zu 80 % füllen.
Brauchst du das neue Handy, Auto, Buch oder die neue Kleidung wirklich?
Muss es immer höher, schneller, weiter, teurer und neuer sein?
Steckt vielleicht der Wunsch nach Darstellung und Geltung hinter dem Konsumwunsch?
Es lohnt sich das eigene Leben immer wieder auf den Prüfstand zu stellen und dich zu fragen, an welchen Stellen mehr Genügsamkeit und Mäßigung möglich sind.

Als Grundlage für diesen Beitrag dient folgendes Buch:
Seneca/Von der Seelenruhe/Vom glücklichen Leben,
Otto Apelt, 2010, Anaconda Verlag GmbH, Köln
dessen Grundlage ist:
Philosophische Schriften- zweiter Band, Lucius Annaeus Seneca,
Philosophische Bibliothek Band 74, Leipzig: Verlag von Felix Meiner 1923.

Bild: Pixabay.com

 

 

 

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