Wie Urteile unsere Sicht trüben

Wie begegnen wir anderen Menschen im Alltag?
Wie offen und Vorurteilsfrei können wir wirklich sein?

Egal mit wem man spricht, in vielen Fällen landet man im Gespräch irgendwann dabei über andere Menschen zu sprechen. Leider geht es dabei häufig nicht darum was der andere gut kann, was man selbst an dieser Person schätzt oder toll findet.
Es geht oft darum wie schlecht sich die andere Person doch verhalten, wie unfair sie gehandelt hat und was der eigenen Meinung nach sonst noch an ihr auszusetzen ist.

Dazu eine kleine Anekdote:

Eines Tages kam einer zu Sokrates und war voller Aufregung.
„He, Sokrates, hast du das gehört, was dein Freund getan hat? Das muss ich dir gleich erzählen.“
„Moment mal“, unterbrach ihn der Weise. „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“
„Drei Siebe?“ fragte der Andere voller Verwunderung.
„Ja, mein Lieber, drei Siebe. Lass sehen, ob das, was du mir zu sagen hast, durch die drei Siebe hindurchgeht.
Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“
„Nein, ich hörte es irgendwo und . . .“
„So, so! Aber sicher hast du es mit dem zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht als wahr erwiesen ist -, so doch wenigstens gut?“
Zögernd sagte der andere: „Nein, das nicht, im Gegenteil …“
„Aha!“ unterbrach Sokrates. „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden und lass uns fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich erregt?“
„Notwendig nun gerade nicht …“

„Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir das erzählen willst, weder erwiesenermaßen wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit!“
(http://www.k-l-j.de/KGeschichte_7.htm)

Wie begegne Ich anderen Menschen im Alltag?

Wenn man diese Frage ehrlich für sich beantwortet wird sich zeigen welchen Anteil man selbst an der Wertung über andere hat.
Es ist natürlich immer leichter die Wertung der anderen zu verurteilen als die eigene zu sehen, aber genau darum soll es gehen.
In der Bibel heißt es dazu:
² Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden. ³Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?
-Matthaeus, 7

Wie können wir also über andere urteilen wenn wir selbst genügend Baustellen haben? Und wie sollen wir den Menschen zeigen wie eine wertefreie Haltung aussieht, wenn wir über sie richten, also selbst diese Haltung nicht haben?

Als Übung dazu, stelle dir vor einem Gespräch mit einem anderen Menschen einmal folgende Fragen:
-Ist der oder die andere wirklich so wie ich denke?
-Was halte ich von der anderen Person?
-Wie ist meine Beziehung zu diesem Menschen?
-Wie geht es mir jetzt?

Die eigenen Gedanken wahrzunehmen ist der erste Schritt um nicht direkt nach ihnen handeln zu müssen.

Es kann zum Beispiel sein, dass der andere dich gar nicht nervt, sondern es dir einfach nicht gut geht.
Manchmal hat ein Mensch dich vielleicht auch in der Vergangenheit verletzt und du schaust immer öfter durch die Brille eines Verletzten.
Vielleicht bist du auch euphorisiert und findest gerade alles an diesem Menschen deshalb toll.

Oder man hat Vorurteile gegenüber bestimmten Menschen oder Gruppen.
Das klingt vielleicht erst einmal hart, aber wenn ich mir selbst nicht eingestehe Vorurteile zu haben und dabei tiefgreifend ehrlich bin, dann kann ich diese weder wahrnehmen, noch ändern oder überprüfen.

Die Frage an diesem Punkt ist auch wieder, wie offen und Vorurteilsfrei können wir überhaupt sein?

Kann es überhaupt ein Leben ohne Werung geben? Sollte es das überhaupt geben?

In vielen Dingen kann unser „Schubladen denken“ auch sehr hiflreich sein, sonst hätte unsere Gehirn diese Funktion mit Sicherheit nicht entwickelt.

Es erleichtert natürlich den Alltag wenn wir Dinge herunterbrechen und vereinfachen. Wenn wir anhand von Merkmalen anderer auf ihr Wesen schließen um s.z. vorbereitet zu sein.
Ob etwas für uns angenehm oder unangenehm ist, gefährlich oder schön.

Ich glaube allerdings, es kommt insgesamt weniger darauf an wie dein Gegenüber wirklich ist, sondern was die eigenen Gedanken, Konditionierungen und Empfindungen in Bezug auf diese Person sind.

Die Wertung zu verteufeln wird alles genauso schwierig machen, denn dann passiert nichts anderes als über die Wertung zu werten.

Meine Idee dazu ist einfach wahrzunehmen, welche Wertungen zu verschiedenen Menschen und Themen in uns selbst sind.

Manchmal kann es auch schmerzhaft sein zu sehen wie man selbst über andere urteilt, wenn man sich immer für einen lieben Menschen gehalten hat.
Es schließt sich allerdings nicht gegenseitig aus, denn nur wer seine Gegensätze vereint wird wahrhaft ganz sein.
Wenn wir Wahrnehmen was in uns vorgeht und beginnen uns zu verstehen, sind wir auch in der Position entscheiden zu können wie wir handeln wollen.

Vielleicht sind die Dinge manchmal ganz anders als wir denken.

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