Warum jede Ent-täuschung ein Geschenk ist

Wurdest du schon ein- oder mehrmals in deinem Leben so richtig ent-täuscht? Sehr gut, eine Illusion weniger in deinem Leben.

Um Ent-täuscht zu werden, muss es zunächst eine Täuschung geben. Oft haben wir Annahmen über andere Menschen oder uns selbst, die nicht „der Wahrheit“ entsprechen. Da wir glauben diese Annahmen seien die Wahrheit, ist es kaum anders möglich als das uns das Leben beweist, wie falsch wir damit liegen. Denn jeder Mensch hat seine eigene Sicht und Wahrnehmung, welche Individuell betrachtet als die eigene Wahrheit bezeichnet werden könnte.

Nun prallen diese Wahrheiten aufeinander und die Menschen stellen im besten Fall fest, es gibt auch andere Perspektiven als ihre eigene. Möglicherweise wird auch eine Erfahrung gemacht, die nicht in das bisherige Weltbild passt, welche ebenfalls zu einer Ent-Täuschung führen kann.

Ein paar Beispiele zu Ent-Täuschungen
(Die Inhalte und Namen sind erfunden)

Annahme über Ziele und Zukunft
Silvia (38) wollte immer ein gute Geschäftsfrau und Millionärin werden. Sie hoffte wenn sie dieses Ziel erreicht, dann wird sie ein glückliches und erfülltes Leben führen.
Nun hat sie ihr Ziel erreicht, trotz dessen hat sie das Gefühl, ihr fehle etwas. Jahrelang hat sie in der Illusion gelebt, die Millionen und das gute Business würden sie glücklich machen, doch letztendlich wurde sie Ent-Täuscht.

Annahme über Menschen
Max (15) fühlt sich alleine und nicht beachtet von seinen Mitschüler*innen. Deswegen geht er zu Robert, der schon 17 ist und will mit ihm und seiner Gang rumhängen. Davon erhofft er sich, dass ihn dann alle anderen mögen und respektieren. Um in der Gang dabei zu sein muss Max dann ständig mit den anderen Jungs rauchen und Alkohol trinken, sonst ist er ein Weichei, sagen sie.
Nun ist Max seit einem Jahr in dieser Gang und bemerkt, seine Mitschüler*innen meiden ihn noch mehr als vorher, denn er und die Gang behandeln alle anderen respektlos.
Dabei hatte er sich doch das Gegenteil erhofft. Er wurde also Ent-Täuscht und brach den Kontakt zu Robert und seinen Freunden ab.

Annahme über sich selbst
Tim (31) hat einen Job als Manager und führt seine Mitarbeiter mit eiserner Hand. „Keine Kritik ist Lob genug“, lautet sein Motto. Direkt nach seinem Studium begann er seine Arbeit in einem mittelständigen Unternehmen. Seit dem geht es kontinuierlich aufwärts und eine Beförderung jagt die nächste. Tim sagt immer von sich, er könne schlafen wenn er Tod sei. Er hat es auf den Chef posten abgesehen und möchte alles geben um dorthin zu kommen, daher vernachlässigt er seine Frau und seine einjährige Tochter.
Irgendwann erkrankt Tim und kann nicht mehr weiterarbeiten, sein Körper zeigt ihm die Grenzen auf, von denen er dachte sie existierten nicht. Die Täuschung, dass seine Energie grenzenlos sei, löste sich auf.

Wie in den Beispielen zu sehen ist, besteht die Täuschung aus Gedanken bzw. einem festen Glauben über etwas. Hier ist es manchmal wichtig ent-täuscht zu werden, denn mit dieser Täuschung weiter zu leben wäre vermutlich noch problematischer.

Aus dieser Perspektive betrachtet, sind Ent-täuschungen eine Befreiung von unseren eigenen falschen Annahmen und somit oft eine Notwendigkeit.

Überprüfe dich einmal selbst:
Glaubst du, Menschen sollten sich dir gegenüber auf eine bestimmte Art verhalten?
Glaubst du, in der Zukunft oder wenn du ein bestimmtes Ziel erreicht hast, wird alles besser?
Glaubst du, dass du bestimmte Dinge nicht kannst und versuchst sie daher gar nicht?
Welche Erwartungen hast an Freund*innen oder dein/e Partner*in? Sind diese Erwartungen realistisch?

Jeder Mensch hat Glaubenssätze welche tief verankert sind und dies ist weder positiv noch negativ. Wir sollten nur überprüfen, ob unsere Glaubenssätze für unser psychisches, physisches und seelisches Wohlbefinden sorgen.

Noch ein kleines Beispiel wie das aussehen kann.
Maria (38) ist Lehrerin. Sie gibt sich viel Mühe in der Klasse und glaubt, sie müsse von allen Schülern gemocht werden, denn sonst sei sie keine gute Lehrerin. Nun stellt Maria fest, dass sie jedes Jahr mit einigen Schüler*innen Probleme hat, denn sie dringt einfach nicht zu ihnen durch. Diese Schüler*innen verhalten sich ihr respektlos gegenüber.
Im Coaching findet Maria heraus, nicht die Schüler*innen sind verantwortlich für ihren Stress, sondern ihr Glaube sie müsste von allen gemocht werden.
Dadurch lässt sich dieser Glaube verändern und sie ist nun davon überzeugt, dass sie zwar ihr bestes gibt, aber nicht von allen gemocht werden muss.
Ihre Situation in der Schule verbessert sich und auch der Kontakt zu den Schüler*innen mit denen es vorher schwierig war.

Fazit: Jede Enttäuschung befreit dich von deinen Illusionen, auch wenn es sich oft im ersten Moment nicht gut anfühlt. Sie zeigen dir, dass du Dinge geglaubt hast, die nicht ganz passen.
An dieser Stelle ganz wichtig: Das Erreichen von Zielen ist nichts schlechtes. Der glaube allerdings, nach der Erreichung wird alles besser, führt zu Enttäuschung.
Ziele sind natürlich wichtig um dir Orientierung zu bieten, allerdings ist genauso wichtig auf deinen Zustand im jetzigen Augenblick zu achten.

Behalte deine Ziele im Auge, aber konzentriere dich auf den Weg, der vor dir liegt.

Nichts und niemand kann dich enttäuschen, denn nur du allein bist für deine Täuschung und ihre Auflösung verantwortlich.

An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken mach es erst dazu.
-William Shakespeare

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